VHS Kierspe Geschichtenschmiede

Ernst Schmidt 2. Kursstunde

                                                                                             Freitag, 13. September 2013

 

Parodie

 

Sprachverwirrung

 

Friedrich Schiller sucht in den ersten Zeilen seines Gedichtes: "Die Sänger der Vorwelt" einem uralten Rätsel  auf die Spur zu kommen: " Sagt, wo sind die Vortrefflichen hin, wo finde ich die Sänger, die mit dem lebenden Wort horchende Völker entzückt, die vom Himmel den Gott, zum Himmel den Menschen gesungen.

Friedrich Schiller

 

War nicht das lebende Wort einst in einer Mär das Wort eines einzigen geeinigten Volkes?  Waren dort nicht schon die Vortrefflichen zu finden, die Sänger, die ihrem Gott das lebende sangen? Eine Mär geht davon, am Anfang habe es nur ein einzig Volk auf Erden gegeben. Es habe seinem Gott  zu Lob und Ehr die Absicht gehabt, ihm ein Denkmal  zu setzen. Habe Ziegel gegossen und ihm einen Turm  errichtet. Einen hohen, wie es ihrem Gott gebührt. Es konnte sich des Eifers  nicht enthalten, den Turm hoch hinaus über die Wolken  in den Himmel zu  bauen. Und die Mär erzählt davon, da sei der Herr gekommen, er habe sehen wollen was das geschieht. Und hier bekommt die schöne Geschichte einen Schnittpunkt. Ab hier kommt es zu einem verwunderlichen  Widerspruch. Die einen erheben von Priestern angeführt  ein wütendes Geschrei  Der Turmbau sei eine Anmaßung, sei dem Herrn ein Frevel, man rühre an seine Kompetenz. Andere hingegen teilten damals schon Schillers Meinung, aber keiner kam auf die Idee, die Verse zu dichten - die von einem Wunder sprechen.  Der Turm, natürlich kam er ins Wanken, und er stürzte, er begrub Arbeiter unter den Trümmern, das ist logisch bei der Höhe und den Winden da oben. Den Ingenieuren war die Phantasie durchgegangen. Den Priestern kam  das Ereigniß gelegen wie oftmals unverhofft dem armen Hund die Peitsche. Die Schuld, daß der Turm einstürzte, war kein Versagen der Bauingenieure, sie schoben es auf den Herrn. Der hatte nicht tatenlos zusehen können, wie ein Werk der Sünde gelinge. Man pfusche dem Herrn nicht ins Handwerk. Die Priester schrien in der Gegend herum:  Der Herr ist gekommen und er ließ den Turm einstürzen, damit die Menschen nicht in ihrem Glauben verführt werden. Sie könnten  auf den Glauben kommen, ihnen sei nun alles auf  Erden möglich und nichts mehr unmöglich. Und das Ende davon ist nun, daß  der Schreck des Einsturzes das Volk in alle Winde zerstreut habe. Bis in die entferntesten Winkel der Erde, habe es  die Stämme gescheucht. Und  die Strafe des Herrn  sei über die Menschen wie ein Unheil gekommen, schrien und zeterten die Priester danach unentwegt. Zur Sprachverwirrung ist es gekommen, das hat man davon. Die Völker verstehen  einander nicht,  und sie werden gegeneinander Krieg führen. Das habt ihr nun von eurem Denkmal, den unsinnigen Turmbau bis über die Wolken. Wolltet tun was ihr nicht durftet. Daß der Herr  über die Priester gelacht haben wird, ist nicht auszuschließen. Bewiesen hat sich inzwischen, daß sich nach dem Einsturz des Turmes viele tausend Kulturen und Sprachen, Mundarten, Dialekte. Idiome, Grammatiken bildeten.

Es ist das Ende nicht abzusehen über all die Herrlichkeiten, die bereits über die Vielzahl der Völker gekommen ist. Schiller spricht von den Herrlichkeiten, hören wir den Gesang.

 

Die Sänger der Vorwelt

Sagt, wo sind die Vortrefflichen hin, wo finde ich die Sänger,

Die mit dem lebenden Wort horchende Völker entzückt

Die vom Himmel den Gott, zu Himmel  den Menschen gesungen

Und getragen den Geist hoch hinauf auf den Flügeln des Lichts?

Ach, noch leben die Sänger, nur fehlen die Taten, die Lyra

Freudig zu wecken, es fehlt, ach! ein empfangendes Öhr.

Glückliche Dichter der glücklichen Welt! Von Mund zu Munde

Flog von Geschlecht zu Geschlecht euer empfundenes Wort.

Wie man die Götter empfängt, so begrüßt jeder mit Andacht,

Was der Genius ihm, redend und bildend, erschuf.

An der Glut des Gesanges entflammten des Hörers Gefühle,

An des Hörers Gefühl nährte der Sänger die Glut.

Nährt' und reinigte sie! Der Glückliche, dem in des Volkes

Stimme noch hell zurück tönt die Seele des Lieds,

Dem noch von außen erschien, im Leben die himmlische Gottheit,

Die der Neuere kaum, kaum noch im Herzen vernimmt.