S A C H E N  G I B T ' S,  D I E  G I B T  E S

N I C H T

 

 

Ja, warum habe ich mich da eingemischt und erzähle dem geschätzten Leser  ungewöhnliche Dinge, die zum Anschluß an Den Brief  an den Freund gehören nur  schwer erklärt werden  können können.Sehen Sie bitte  das Ende des Briefs,  und Sie finden Phantastereien,  spüren  puren Bürokratismen, dort rauchen Köpfen hinter wuchtigen Schreibtischen. Vieler Leute, sie  verwalten Systeme , befassen sich mit der kostenträchtigen Justiz  mit dem Gerichtswesen mit Bergen von Akten. eilen auf  Gängen geschäftig, aktenschleppend als Boten, ja den kriminell verseuchten Vollzugsanstalten sollen über Nacht überflüssig werden? Und mit Randalla - um den sich die ganze Geschichte ranken soll, kann zunächst niemand was anfangen. Er ist noch ein Phantom, ist bislang nur als unsichtbares Wesen existent. Geboren muß er werden! Schon allein diese so genannte Geburt - über die als nächstes zu berichten sein wird - ist konfus, jawohl konfus. Einfach konfus, weil ja das ganze Geschehen so ausnehmend atemberaubend ist, und einen so erstaunlich ungewöhnlichen, ja einfach unheimlichen Anstrich bekommt, daß es den Leser im wahrsten Sinne des Wortes von Hocker reißen könnte, mehr noch, es könnte ihn seines Atems berauben wenn er sich in solchen Situationen nicht in der Gewalt haben sollte. Wahrlich, es wird schwierig.

Randalla wird demnach ferngesteuert zur Welt kommen! Wirklich ganz einfach so! Denn es sind da im wahrsten Sinne des Wortes Kräfte am Werk, die sechs erlauben können, über die Menschheit lustig machen! Und dann ist da auch gleich ein Einflüstere zur Hand, ein Fabulierer, der mit ihm ein leichtes Spiel hat. Der liegt ihm gleich in den Ohren und gaukelt diesem völlig unbedarften naiven Unschuldswesen in schillerndsten Farben Reiseabenteuer vor. Erzählt von Dingen, die ohnegleichen sind und sogar unsereinen in Erstaunen setzen. Es wird ja der arme Teufel von Fernweh gepackt und in eine unwiderstehliche Lust zum Reisen verstrickt, obwohl er den Sinn des Wortes gar nicht begreifen kann.

Soweit so gut, aber wer ist nun Randalla wirklich? Das zu erklären, wenn es denn überhaupt erklärt werden kann ist nämlich der schwierigste Teil dieser Geschichte. Ich könnte mir's ja einfach machen und frank und frei verkünden, Randalla ist ein Käse! Das aber scheint mir, ist nicht ganz passend. Er ist wirklich mehr! Schon von Anbeginn mehr als das! Geht man davon aus, daß Randalla wirklich ein Käse ist, dann ist ihm gewissermaßen eine ganz besondere Bestimmung in die Wiege gelegt, was ja jeder andere Käse nicht so leicht von sich behaupten kann. Denn was sollte auch schon ein Käse mit den Problemen der Menschheit zu schaffen haben, wie sie hier schon zum Teil sehr gravierend angedeutet wurden.

Randalla ist wirklich und wahrhaftig in einer Käserei zur Welt gekommen. Wenn auch an seiner Entwicklung maßgeblich ein Phantast beteiligt war, so war der eigentliche Geburtshelfer jedoch ein völlig unbekannter Käsemeister. Man kommt nicht drum rum, zu staunen und die Fernwirkung dieses komplizierten Aktes als ein fein ausgeklügeltes Wunder zu bezeichnen. Ja, ja, nenn uns einer die Geschichtenerzähler kennen! Der Phantast war es schließlich, der ihm die Ohren vollblies, seine Neugier wach¬rief und die Phantasie erregte, bis alles seinen Lauf nahm und der Arme alles sehen wollte, was ihm da vorgegaukelt wurde.

Gut, ich gebe zu, es ist der Unterschied von uns zu ihm zu bedenken. Viele werden sich's sogar verbeten, mit dem Produkt Käse gleichgestellt zu werden. Denn woher in aller Welt sollte ein Käse wissen, daß die schönsten Geschichten im Kopf entstehen, er hat weder Kopf noch Augen! Und Recht haben sie damit! Aber dennoch, ich muß dagegenhalten! Randalla ist eine rühmliche Ausnahme! Sonst gäbe es diese Geschichte nicht! Damit, glaube ich, haben wir klargestellt, daß es sich hier um eine ganz besonders komplizierte Angelegenheit handeln wird. Man muß sich doch allen ernstes fragen, wie kommt ein Käse zu Augen, wenn er doch im Allgemeinen gar keinen Kopf hat? Eine solche weit reichende Frage möchte ich mit Worten meiner Großmutter beantworten. Sie sagte dann meistens: "Es gibt Sachen, die gibt es gar nicht!"

Wenn das so ist, dann kann unsereiner sich nur wundern. Aber lasst uns endlich anfangen und eingangs festhalten daß kein Käse wie der andere ist! Aber auch alles andere ist sich nicht gleich. Es gibt auf der ganzen Welt nichts, aber auch rein gar nichts, das sich gleicht. Die Vielfalt ist erstaunlich! Und dieser Käse, von dem jetzt die ganze Zeit die Rede sein wird, der war von Anfang an bedeutend anders, denn er hatte Augen! Er hatte sie, obwohl er keinen Kopf hatte! Und das ganze Lamento ist wie folgt zustande gekommen.

Es gibt da eine Stadt, in der überall, in jedem Haus, in jedem Keller Käse gemacht wird. Es werden dort große und kleine, runde und eckige, rote und weiße, harte und weiche, Käsen mit und Käsen ohne Löcher und noch allerlei andere Käsesorten hergestellt. Der Käsemeister hat ein großes Fass und in dem Fass wird die Milch sauer gemacht. Und genau hier passierte das mit den Augen.

Eines Tages, als der Käsemeister wieder neuen Käse ansetzte und in der sauren Milch rührte, fiel ihm plötzlich auf, daß obenauf zwei schöne, in allen Farben schillernde Blasen schwammen. "Die sehen grad so aus, als waren’s Augen." sagte er zu sich selber. Und da ritt ihn der Teufel, er konnte sich's lange danach nicht erklären, wie es dazu gekommen war. Jedenfalls er formte den ganzen Haufen gewonnen Quarks zu einem einzigen Käse. Einer riesigen Rolle mit einem großen Loch in der Mitte, wie sie noch kein Käsemeister in der Umgebung zuwege gebracht hatte. Und als die Käserollen fertig waren, da fand er die Blasen wieder. Sie waren beide auf seiner Riesenkäserolle vorhanden! "Schau einer her", sprach der Käsemeister, "da sind sie ja wieder. Beide auf der Rolle. Und sogar eins links, eins rechts, in gleicher Höhe und sich genau gegenüber! Was für ein Zufall!"

Und da formte er, ohne zu wissen was er eigentlich tat, die schönsten Augenhöhlen, die man je an einem Käse gesehen hatte. Ich glaube, er war verliebt. Er setzte die schillernden Blasen mit einer bewundernswerten Behutsamkeit in die Augenhöhlen, knetete mit ein paar Griffen noch Augenlider dazu und versah sie voll Rührung mit allerliebste geschwungenen Wimpern, schwarz und lang, wie bei einer Diva. Dann bekam der Käse zu allem Überfluss noch Mund und Nase und als ein ganz besonderes Merkmal - wie bereits angemerkt - in seiner Mitte das Loch. Dadurch unterschied er sich von den andern. Er war jetzt größer noch als ein Wagenrad.

Der Käsemeister war stolz auf sein Werk und verriet seinen Zunftgenossen nichts von diesem prächtigen Einfall. Nur wenn er im Reiferaum war und sich allein wusste, sprach er zu sich selber frohlockend indem er dem Wagenradkäse mit der Hand sanft über die Kruste ging: "Der wird mir nützlich sein! Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt. Eine solche wunderbare Fügung durfte nicht missachtet werden! Das wäre einem Vergehen gleich¬gekommen und gegen die Vorsehung gewesen! Noch nie hat es das gegeben. Ein Käse mit Augen! Und sogar eins links eins rechts, und sie stehen sich genau gegenüber. Das ist bemerkenswert! Sehr bemerkenswert! Vielleicht kann er gar auch noch hören?"

Darüber musste er lachen. Aber der Käsemeister war misstrauisch, er untersuchte den Käse genauer und fand unweit der Augen auf jeder Seite eine kleine Öffnung. "Das müssen die Gehörgänge sein! Der kann mich hören! Ganz bestimmt kann der mich hören, der will das bloß nicht zugeben! Und wenn er hören kann, dann kann er auch sprechen. Auch das will er bloß nicht zugeben. Na warte nur, Bürschchen, das kriegen wir noch raus." So sprach der Käsemeister zu sich.

Und unverdrossen stapelte er die Käserollen Tag für Tag eine über die andere. Hier in der dunklen Reifekammer sollten sie ungestört sein und "heranreifen" und Zeit finden, den vollmundigen Käsegeschmack zu bekommen. Und der Käsemeister versäumte es nicht, den Augen-Wagenrad-Käse jeden Tag zu besuchen, und dann streichelte er ihn liebvoll und gab ihm eines Tages den Namen "Randalla".

Randalla bekam aus zwei Gründen einen Sonderplatz. Der Käsemeister war ja, wie wir wissen, auf seine Reife gespannt und er hatte zudem vor, mit ihm an einem Wettrennen teilzunehmen. Alles lief bestens. Der Geschmack entwickelte sich vorzüglich. Die Proben wurden immer besser, und zuletzt meinte der Käsemeister, einen solchen Käse noch nicht produziert zu haben. Seines Flei¬sches Duft war mild und würzig, es kitzelte den Gaumen, vermied jede Aufdringlichkeit und verging auf der Zunge. Das hob die Stimmung im ganzen Haus und machte den Käsemeister siegessi¬cher. Er freute sich darauf, mit Randalla an den Start zu gehen.

Es wurde nämlich in jedem Jahr in der Stadt mit großem Hallo und Spektakel ein Käserennen veranstaltet. Alle Käsemeister der Stadt waren dabei. Sie rollten ihren besten Käse durch die Straßen der Stadt zum Bahnhof. Der Sieger bekam den viel begehrten "Käseroller-Preis", den er sich an den Giebel des Hauses nageln konnte. Der Preis war sehr wertvoll. Der goldene Lorbeerkranz zierte eine mittelgroße, in Kupfer gehämmerte Käserolle über deren Fläche sich zwei silberne Messer kreuzten. Dies war die höchste Auszeichnung für den besten Käse in der Stadt. Es wuchs das Ansehen eines jeden Käsemeisters, wenn er den Siegerpreis erringen konnte und es galt als eine große Ehre, den Giebel seines Hauses mit ihm zieren zu können. Und alle Häuser, in der ganzen Stadt, standen mit dem Giebel zur Straße.

Aber das Schönste an dem ganzen Spektakel war, daß die Käsemeister, ihre im Wettstreit zum Bahnhof gerollten Käserollen zum Schluss in mundgerechte Stücke teilten, und jeder der vielen tausende Zuschauer konnte sich davon nehmen und essen soviel er wollte. War das ein Festessen! Käse vom Feinsten! Käse für jeden Geschmack! Käse duftend, erlesen, verführerisch; dessen abgerundeter Schmelz die milde Begierde nach erlesen Getränken weckt.

Hier versuchten die Käsemeister sich zu übertreffen, denn es galt, des Hauses guten Ruf zu verteidigen und wenn möglich, gar noch zu verbessern! Das ganze zusammengenommen war eine Käseka¬ntate. Hunderte von Geruchsvariationen wetteiferten um den durchdringenden Duft, mischten sich, überdeckten sich und zogen mit denBesuchern, die sich dichtgedrängt durch die Straßen schoben, durch die ganze Stadt. Den Kennern lief das Wasser im Munde zusammen.

Aber bis es soweit war, hatte Randalla noch ein schönes Erlebnis. Wir haben es bereits angedeutet. Es ist nicht genau zu sagen, ob der Phantast in die Gestalt eines Wichtelmannes, oder eines Däumlings oder gar Halbdäumlings geschlüpft war, es ist durchaus auch möglich, daß er Randalla in der Gestalt eines winzigen Außerirdischen aufsuchte. Jedenfalls irgendein Angehöriger eines jener Völker aus der Welt der Sagen und Märchen besuchte ihn damals häufig im stickigen Reiferaum. Es war ja dunkel in der Kammer und so konnte er ihn nicht sehen. Sie hatten sich angefreundet und der Besucher hatte ihm von der Welt da draußen erzählt. Und alles was Randalla hörte, war ihm so neu, wie für jeden von uns, wenn er davon zum ersten Mal gehört hätte. Randalla jedoch hatte ja überhaupt noch nichts von der Welt gesehen! Und die Stimme sprach zu ihm in der Dunkelheit: "Weißt du auch, daß es draußen sehr schön ist, ja man muß sagen, sogar wunderschön." In diesem Ton sprach sie zu ihm, warm und einschmeichelnd.

"Was ist das, draußen, was ist das, schön und wunderschön?" wollte Randalla dann wissen. Da wurde die Stimme verlegen, denn wie soll man jemandem erklären, was schön ist und was wunder¬schön, und was draußen bedeutet, wenn der Fragende noch nie was gesehen hat und keinen blassen Schimmer von allem hat?

"Ja, weißt du", stammelte die Stimme, "schön ist alles was Freude macht und wunderschön ist wieder alles, das was an¬rührt."

"Woher soll ich wissen, was Freude macht und was anrührt? Ich weiß ja nicht einmal, was Freude und was Anrühren ist!" sprach Randalla.

"Du hast doch einen so großen Kopf und damit kannst du doch denken. Da wird es dir doch nicht schwer fallen, dir vorzustellen, wie es ist, wenn man sich freut und wenn man innerlich bewegt ist!"

"Ach so ist das", erwiderte Randalla, "du meinst, ich habe einen Kopf. Und mit dem kann ich denken wie du?"

"Aber natürlich! Wie soll ich's dir nur erklären? Dein Kopf ist zwar etwas engstirnig oder platt, versteh mich richtig, es kommt immer darauf an, wie man dir gegenübersteht, aber immer¬hin, er ist riesengroß, und mit dem wirst du gewisslich auch denken können! Und dann hast du dazu noch den Vorteil, überaus beweglich zu sein."

"Nein, was du nicht sagst", fiel Randalla der Stimme aus der Finsternis ins Wort. "Du meinst, ich könnte, wenn ich wollte, denken und innerlich bewegt sein und darüber hinaus auch noch selber beweglich sein?"

"Aber selbstverständlich!" bekam er zur Antwort. "Du hast das unwahrscheinlichste Glück, das einer Käserolle deiner Größe nur alle hunderttausend Jahre einmal widerfährt. Du hast Augen, du hast einen riesengroßen Kopf und du bist beweglich, das heißt, du kannst laufen wie sonst keiner auf der ganzen Welt."

Randalla sagte erstaunt: "Auf der ganzen Welt? Was ist das nun wieder? Was nützt mir mein großer Kopf, wenn ich nicht einmal weiß, was 'Aufderganzenwelt' bedeutet. Mir erzählt doch keiner was!"

Ja, und dann erzählte die Stimme ihm Tag für Tag und Nacht für Nacht von der Welt. Sie erzählte ihm alles, was sie wusste und noch ein bisschen mehr und schilderte ihm die Welt, auf der wir leben in bunten Farben und vielen tausend Bildern so verlockend, daß Randalla auf der Stelle beschloss, durch die Welt zu reisen. Er war ja beweglich, und denken konnte er auch. Und was das schönste war, er war auch fähig, innerlich bewegt zu sein, denn ihm traten oft die Tränen in die Augen, wenn die Stimme ihm so rührend von den wunderbaren Dingen und Begebenheiten erzählte, die in der Welt vorgekommen sein sollen. Das waren prächtige Bilder! Die möchte er auch einmal sehen und auch alles andere erleben.

 

 

VI

 

R A N D A L L A  D A S  U N B E K A N N T E

 

F L U G O B J E K T

 

 

Randalla schoss heraus aus der Hölle der Finsternis, des Staubs und Gepolters in eine blendende Helligkeit, und er schwebte immer noch flach liegend dahin, nur befand er sich nicht mehr in der Rutsche, sondern der weite Luftraum war das tragende Element.

Er konnte es nicht fassen, er sah mit dem unteren Auge, tief unter sich die Erde, den festen Boden, auf dem er vormals so herrlich dahin gerollt war. Er hatte ja keine Ahnung von Schwerkraft und Anziehung und glaubte, ihm sei ein Wunder geschehen, er sei losgelöst von der Erde und fliege nun in neue unbekannte Dimensionen der herrlichen weiten Welt.

Er schwebte! Schwebte wie ein Adler mit gespreizten Flügeln dahin. Obwohl ihm ja bewusst sein musste, daß er gar keine Flügel habe, überkam ihm im Augenblick das Gefühl, diesem herrlichen Vogel gleich zu sein und so wie dieser durch die Lüfte zu schweben. Er schloss die Augen und atmete tief und befreiend, und er hatte den Eindruck, daß es höher und höher hinaufgehe, daß er den Wolken entgegeneile, und jeder Atemzug gebe ihm einen Schub.

Das war fantastisch! Ein Jauchzer löste sich aus seiner Brust. Tanzen hätte er können. Eine Melodie auf den Lippen schwang er sich hin und her und bemerkte, wie er mit dem Schlug des Körpers, seinen Kurs veränderte, ja, wie sich mit dieser Entdeckung sogar das Tempo des Dahinschwebens steuern ließ. Immer wieder und wieder probierte er technische Möglichkeiten des Schwingens und Steigens. War das ein Riesenspaß!

Es dauerte lange, bis er weiterdenken konnte und sich ihm die Frage stellte, wie er wieder auf die Erde runter komme? Aber der Verstand verließ ihn nicht. Steige ich, indem ich Luft inhaliere, dann werde ich wohl auch sinken, wenn ich sie ablasse. Aber daraus wurde nichts, denn er wusste nicht, wie er die inhalierte Luft in solchen Mengen auslassen sollte. Sie entwich nur ganz allmählich. Für eine direkte Landung war die Erfindung nicht geeignet.

Mit sich selber nicht ganz zufrieden strich er dahin, und während sein unteres Auge auf eine bunte Welt tief unter sich sah, blinzelte das obere in den blauen Himmel wo die weißen Wolken dahinsegelten. Die Luft war lau und strich sanft rauschend um seinen Körper. Und als er dann endlich den ganzen Wirbel unter Kontrolle hatte und sich wieder selber spürte, da fiel ihm auf, daß er schmutzig war. Der Staub der Unterwelt klebte an ihm. Er hatte den Geruch von Ruß in der Nase und es kam ihm vor, als sei er soeben durch die Hölle geritten. Aber nun segelten Wolken über ihm hin. Sofort war die Neugier wach. Woraus werden eigentlich Wolken gemacht? "He, du Wolke", rief er, "halt einmal an, ich möchte mich mit dir unterhalten."

"Tut mir leid, ich habe keine Zeit!" gab sie zur Antwort. "Ich muß reisen."

Randalla beeilte sich, sie einzuholen. "Was hast du denn so Wichtiges zu besorgen?"

"So manches, mein Junge, so manches." Sie war ungehalten.

"Das versteh ich aber nicht." Er spurtete hinterher. "Du kannst mir über deine Eile offenbar nichts Genaues sagen und hast den noch keine Zeit, mir ein Wort zu gönnen?"

"Hör' mal, Kleiner", sagte sie jetzt grob, "Ich bin keine Amme! Ich bin eine Wolke, und Wolken müssen segeln. Manchmal langsam, manchmal schnell und auch mal mit dem Sturm dahinstürmen. Schließlich habe ich keine Lust, mich aufhalten zu lassen und wegen deiner unnützen Schwätzerei abzustürzen! Und nun verschwinde."

"Das kann ich verstehen“, murmelte Randalla betroffen. "Wer hat schon Lust, abzustürzen!" rief er der davoneilenden hinterher. Doch den Sinn ihrer Worte verstand er nicht. Lange dachte er darüber nach und bemerkte, daß er immer dann an Höhe verlor und abzustürzen drohte, wenn er still stand oder sich aus der wagrechten in die aufrechte Lage brachte. Genau das war es! Er hatte ganz was Neues herausgefunden! "Vielen Dank!" rief er der Wolke hinterher. Die aber war längst verschwunden.

Dann kam ein unwirscher Wind daher und trieb ihn höher und höher hinauf und plötzlich sah er in der Höhe einen gewaltigen Berg schwarzer Wolken. Sie kamen so rasch herangestürmt, daß an ein Ausweichen nicht mehr zu denken war. Im nächsten Augenblick hatten sie ihn verschlungen. Nichts sah er mehr! Er stellte sich aufrecht und stürzte in die Tiefe. Wasser prasselte auf ihn ein, er dachte schon, in einen See gestürzt zu sein, und dann zuckten Blitze und krachten Donner. Er wurde geschüttelt und hin und her geworfen. Wieder fasste ihn eine Bö und schleuderte ihn hinauf bis über die Wolken hinaus. Und dort oben erlebte er die ganze Herrlichkeit des sanften Dahinsegelns in einer Weise, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellte. Eine unendliche Weite lag vor ihm, ein Land aus weißer Watte. Über ihm gab es nur die strahlende Sonne. Hin und wieder fanden sich Öffnungen, die den Blick seines unteren Auges in eine unendliche Tiefe zog. Das bereitete ihm ein sehr unangenehmes Schwindelgefühl, das sich aber, sobald er das Auge schloss, wieder verlor.

Aber dann kehrte trotz all der so kurz erlebten Neuigkeiten Sicherheit in seinem Herzen ein. Er glaubte mit den Techniken des Segelns, Steigens und Fallens vertraut zu sein. Was sollte ihn da noch ängstigen?

Er ließ sich höher hinauftragen, stieg sozusagen fast im spitzen Winkel zur gleichmäßigen Ebne der Wolkendecke in die Lüfte und stellte sich dann senkrecht um wieder hinabzustürzen. Geschickt fing er die sausende Fahrt des Sturzes durch die bremsende Flachlage wieder ab. Das war ein Vergnügen! Ein Rausch, der durch nichts auf der Welt übertroffen werden kann.

Als er sich wieder einmal vom Gipfel der gewonnen Höhe mit einem Jauchzer hinabstürzen wollte, sah er in der Ferne eine merkwürdige Veränderung in der platten Wolkendecke. Er hatte zufällig eine gewaltige Auftürmung von bläulich schimmernden Konturen entdeckt. Seine Stimmung änderte sich sofort. Er ließ ab von seiner albernen Raserei und pirschte sich näher heran an das seltsame Objekt. Je näher er ihm kam, umso mehr nahm es an Größe zu. Es flößte ihm Respekt ein und er tauchte zuweilen in den Dunst der Wolkenschicht unter. Das gab ihm Sicherheit, denn er traute der Sache nicht.

Nun, da er sich zu jeder Zeit rasch verbergen konnte, pirschte er sich näher heran und stellte mit Verwunderung fest, daß es sich um einen riesigen Pilz handelte, der da wie aus dem angrenzenden Eisberg herausgehauen, einige Kilometer über die glatte Fläche der Wolken hinausragte.

Aber zum Fuß des merkwürdig riesigen Pilzes hin hob sich die Wolkendecke zu einem Hügel. Randalla tauchte wieder ein in die schützende Hülle um ungesehen zur Mitte der Erhebung vorzudringen, weil ihm plötzlich die Erleuchtung kam, daß dort des Rätsels Lösung liegen müsse. Er kam bis zu einer Stelle, wo sich die Nebel lichteten und im saugenden Kreise bewegten, und da kam es ihm vor, als sei er plötzlich eins mit den Nebelschwaden.

Zuspät nahm er die Veränderung an sich wahr, die darin zu bestehen schien, daß eine anziehende Kraft ihn in die gleiche Richtung zog. Er glitt auf einer unsichtbaren Schiene hin, die sich wie eine Spirale dem Nebelschacht hinaufbewegte. Wieder war ihm die Richtung aufgezwungen. Es war ganz so wie in der Rutsche, aus der es ja auch kein Entrinnen gegeben hatte. Und obwohl es nun hinauf, statt hinab ging, steigerte sich die Geschwindigkeit. Er riskierte einen Blick in den Schacht hinab, aber das hätte er besser nicht getan, der Abgrund unter ihm war schwindelerregend und ihm wurde schlecht. Wieder rettete er sich dadurch, daß er die Augen schloss.

So entging ihm auch die neue Veränderung, denn die Röhre wurde enger, die aufstrebenden, mit blauer Eiskruste überzogenen Wände rückten mehr und mehr zusammen, und die Geschwindigkeit nahm immer noch zu. Er war zum Geschoß geworden, das durch ein unendlich langes, senkrecht stehendes Kanonenrohr preschte. Unter ihm knallte Explosion auf Explosion und er bekam Schub auf Schub, es trieb ihn aufwärts, es riss ihn höher und höher hinauf bis ihm die Sinne schwanden.

 

 

Der Käse rollt zum Bahnhof

 

Und eines Tages war es dann soweit. Die Veranstalter mussten das Rennen wiederholen. Vor Hundertzwanzig Tagen hatte die Rennleitung Randalla disqualifiziert. Und das wegen lausiger zwei Kilo Übergewicht. Aber der Guru war empört, hatte geklagt und schließlich in der dritten Instanz gewonnen. "Hosiana, siehe, der Herr ist mit den seinen", jubelten die Anhänger.

Man hatte geglaubt, der Spektakel verebbe, verpuffe. Das war eine ganz grobe Fehleinschätzung. Die ganze Stadt hatte sich empört, geriet in Aufruhr, und es war nicht zu erkennen, wer gegen wen war. Es summte wie in einem verstörten Bienenhaus. Nur böswilliger. Ungeachtet dessen begannen die Vorbereitungen für die Wiederholung des Rennens. Sie begannen hektisch - und himmlische Sphären mahnten stumm: "Wer nicht mit uns ist gegen uns, oder willst du nicht mein Bruder sein, so schlage ich dir den Schädel ein."

Aber das Wort: "Liebe deinen Nächsten mehr als dich selbst!" das war

Tabu.

Die Hauptstraße war der direkte Weg zum Bahnhof. Sie wäre am ärgsten betroffen. Da würde das Volk sich drängeln und schubsen und die Läufer mit Gebrüll und allem möglichen Getöse anfeuern - oder beschimpfen.

"Kampfsport!" - "Büke Fitneß!" - "Sportstudios Astral" - "Die Polizei dein Helfer."

Tage zuvor wurde gezimmert. Man klopfte und hämmerte, fegte und pflasterte, hackte und jätete.

"Handwerk hat goldenen Boden."

Es musste die Tribüne her für die Honoratioren, für die Großkopferten. Erforderliche Absperrungen, Transparente, Fahnen, Werbesprüche, mussten gepinselt und genehmigt werden. Die Chancengleichheit für Industrie, Handel und Gewerbe war peinlichst zu beachten und Gewehr war zu leisten für Sicherheit und Ordnung. Teilnehmer, Passanten, durften nicht zu Schaden kommen. Gegen Unbotmäßigkeiten, mussten Strategien entwickelt werden und es war die Versorgung mit Getränk und Imbiss für die Menge teilnehmenden Volkes sicherzustellen.

"Eigner Herd ist Goldes wert: Elektrofachhandel."

"Sicherheit für Fenster und Türen, für Gut und Leben, durch Alarmsysteme von Maik Moriz"

Händler und Schausteller beanspruchten zentrale Standplätze. Ach was war da nicht alles zu steuern, zu genehmigen und zu erlauben. Ja, und es galt, die Rennstrecke neu abzustecken, die Bahnen neu einzumaßen, auch auf die exakte Breite bis zum Ziel hin war zu beachten. Und immer wieder beanstandeten Trainer und Betreuer die Ebenheit der Bahnen. Verdächtig vorkommende Unebenheiten wurden bemängelt. Mit Papieren in der Hand, eilten Kommissionsmitglieder die Hauptstraße rauf und runter. Sie diskutierten, gestikulierte, hatten rote Köpfe.

Der Verkehr musste umgeleitet werden.

"Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er dir auch Verstand!"

Schon lange vor dem eigentlichen Ereignis lief viel Volk herbei. Man wollte im Bilde sein. Wollte sehen wie die Anlieger ihre Anwesen schmückten, heraus staffierten. In den Vorgärten wurde eifrig gehackt, gepflanzt, Wege geharkt und Hecken geschnitten, Rasen gemäht.

"Mein Hom ist mein Kastelt"

Auch in Randallas Käserei liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Kam sonst der Käsemeister einmal in der Woche vorbei, nur den Reifeprozeß zu kontrollieren, so erschien er jetzt fast stündlich. Polierte hier und da, wusch die Rinde rundum mit milder Lauge. Im Kerzenlicht musterte er, betastete, begutachtet die goldene Kruste, immer wieder entdeckte er was, klebte und spachtelte winzige Schrammen und kaum sichtbare Risse in der Oberfläche, die er dann direkt zum Glänzen brachte.

"Wie du kommst gegangen so wirst du auch empfangen!"

Ach, war das eine Wohltat! Und der Meister polierte mit Hingabe, schon allein der Wachs, wie der duftete und wie die Oberfläche zu glänzen begann. Ach, Randalla der blinkende Stern und begann zu ahnen, daß es bald losgehen werde mit der Reise in die Welt.

Noch einmal ging ihm der Käsemeister mit seiner liebevoll mit seiner warmen Hand über die goldgelbe Kruste. Diese zarte Berührung ging ihm durch und durch, und Schauer bewegten ihn. Dann war es endlich soweit, zwei Männer kamen, schoben einen Holzstab durch das Loch in seiner Mitte und hoben ihn hoch. Er schwebte aus der Dunkelheit des Kellers zum Lichte empor und blendete ihn. So hatte er sich das helle Sonnenlicht nicht vorge¬stellt. Andauernd musste er die Augen schließen. Er spürte, wie es in seine nackte Oberfläche eindrang, wie es durch ihn durch ging und innen so angenehm rieselte, es war wundervoll. Das ist das Glück, dachte er, und wieder erschauerte er verzückt. Als er glaubte, einen Blick riskieren zu können, öffnete er ein Auge um ein weniges, musste es aber sofort wieder schließen. Was er in dem winzigen Augenblick alles sah, war unglaublich, ja überwältigend, er glaubte, sterben zu müssen. Das war ja der Himmel, der sich ihm da auftat!

Ohne zu wissen, was er nun wirklich gesehen hatte, beeindruckte ihn die Helligkeit, unbekannt Buntes, seltsa¬me Formen, Umrisse, lebendiges Treiben auf dem Platz, wo man ihn abgestellt hatte. Wie gut, daß er ein wenig Bescheid wusste. Er war - wenn auch dürftig - vorbereitet. So konnte er wenigstens geschlossenen Auges die Dinge ein wenig ordnen. Die aufrecht stehenden und hin und her eilenden Wesen auf ihren langen Beinen und den schlenkernden Armen, das sind wohl Menschen, von denen die Stimme im Dunkel der Reifekammer ihm geflüstert hatte. Und dann das Getöse um ihn herum! Da gab es Geräusche, die er nicht einordnen konnte. Nur über eines glaubte er Bescheid zu wissen: diese an und abschwellenden harmonischen Klänge, die einen ans Herz griffen, das müsse wohl Musik sein, von der die Stimme ihm so begeistert erzählt hatte. Und geschlossenen Auges lauschte er den Klängen. Es war wunderschön. Wie gesagt, die Helligkeit, ging sie nicht durch ihn durch und durch und immer öfter riskierte er ein Auge, bis sich zuletzt beide Augen an das Licht gewöhnte hatte und er sie ganz, ganz langsam öffnen und ganz lange offen halten konnte.

Es war nun wirklich so, daß er nicht genug vom Anschauen all der Bilder des bunten Treibens um ihn herum bekommen konnte. Er meinte, zwei Augen seine zu wenig, man könnte ruhig zehn und mehr haben, soviel gab's für ihn zu sehen.

Er stand nun aufrecht neben dem Käsemeister im warmen Sonnenschein und fand, er sei eingekeilt in einem grellen Getöse. Ängstlich ließ er seine Blicke kreisen. Er fühlte sein ganzes Gewicht auf dem untersten Punkt in der Rolle ruhen. Er sah andere Käserollen mit ihren Käsemeistern. Sie standen alle in einer Reihe als warteten sie auf etwas ganz Bestimmtes. Die Käsemeister waren festlich gekleidet. Die Schuhe glänzten in der Sonne. Die weißen Hemden blendeten.

Dann wurde es plötzlich in weiter Runde still. Fanfaren reckten sich empor und blitzende Strahlen stachen in den Augen. Sie schmetterten alle zur gleichen Zeit hell klingende Töne hervor. Und er fühlte plötzlich, daß sie alle auf dem großen Platz von einem ganz großen Gefühl erfasst wurden, einem Gefühl, das ihm selbst unter die Haut ging und bis ins Mark berührte und ihn dann wie eine Woge emporzuheben schien. Er glaubte zu schweben.

Als die Fanfaren verstummten, rief eine feste Stimme: "Auf die Plätze", der Käsemeister faste ihn hart an, "fertig", der Griff des Käsemeisters wurde noch fester, "los!" Und da bekam er einen Stoß, so heftig, daß er fasst das Gleichgewicht verloren hätte. Während er noch taumelte und die aufrechte Haltung zu halten versuchte, waren die andern Rollen schon vor ihm in Bewegung. Sie rollten ihn davon. Härter wurde der Griff des Käsemeisters. Die Gewalt des Griffes drängte ihn vorwärts und dabei schwindelte ihn, denn das Bild in seinen Augen verschob sich unablässig. Ihm war, als stürze er in einen bunten Schacht, um sogleich wieder emporzusteigen in das klare Blau über ihm. Dann war wieder der verkrampfte Blick da, der ihm das Gefühl gab, augenblicklich auf das Pflaster der Straße niederzuschlagen. Er glaubte zu stürzen und ein Schrei des Entsetzend löste sich in seinem Innern und platzte ihm zu den Flanken hinaus. Der Schrei begleitete sozusagen die Runde seines Blickes, denn er schrammte knapp über das Pflaster, war in der selben Sekunde schon wieder rückwärts gerichtet, um dann gleich den unaufhaltsamen Sturz des blauen Himmels zu erleben, der aber sofort aufhörte, als neben ihm die Häuser zu beiden Seiten dahinrasten. Es dauerte einige Runden, bis er begriffen hatte, wie der ganze Wahnsinn zustande kam. Er war einfach nicht in der Lage, bei seinem rasenden Lauf, die rasch wechselnden Bilder zu erfassen. Der Blick konnte nicht verweilen, denn er ging haltlos vorwärts, abwärts, rückwärts, aufwärts und so fort und fort und ohne Ende. Ein Kreisel nahm ihn mit. Wilder und wilder. Das war ja nicht auszuhalten. Er schloss die Augen und merkte, daß es besser wurde. Aber dann erfasste ihn ein Rausch. Der Rausch des Rollens. Seine Lauffläche haftete auf dem Kopfsteinpflaster, fühlte sich mit ihm verbunden und er spulte ohne hinzusehen surrend dahin. Der Käsemeister stapfte neben ihm her und atmete schwer. Vor ihm, neben und hinter ihm rollten einige andere Käserollen, ebenfalls begleitet von ihren Herstellern. Aber er holte auf, er überholte einen um den andern und zuletzt war er ganz alleine vorn, und noch immer hastet der Käsemeister neben ihm hier.

Zu beiden Seiten standen die Menschen und schrien, sie spornten ihn an und er erhöhte das Tempo mehr und mehr. War das ein Spaß! Er fühlte sich frei und vollkommen glücklich. Jetzt hörte er den Käsemeister nicht mehr neben sich. Er riskierte einem Auge nach rückwärts und sah ihn dann weit abgeschlagen hinter sich. Er lief die Arme hochgeworfen und schrie: "Haltet ihn! Haltet ihn!" Aber niemand achtet auf sein Geschrei. Alles johlte vor Vergnügen, daß ein Käse dem Käsemeister davoneilte.

Als er dann endlich durchs Ziel schoss, wollte der Jubel kein Ende finden. Fahnen wurden geschwenkt und Blumen geworfen. Er aber ließ sich durch nichts aufhalten. Einmal in voller Fahrt, rollte er unbeirrt weiter, schoss sozusagen über das Ziel hinaus und schnurstracks vorbei an die verdutzt dreinschauenden Zuschauer. Er rollte durch menschenleere Gassen und sah weit hinter sich den Käsemeister, der es nicht aufgab, ihm zu folgen. Also beschleunigte er das Tempo und schon ging’s durch das Stadttor hinaus in das freie Land. Hier verlangsamte er die Umdrehungen, denn er musste staunen! Und er schaute hingerissen und in grenzenloser Ehrfurcht über das weite Land. Herrlich die Weite, die Täler, die Höhen, die wogenden Felder, die bunten Wiesen, die Wälder in der Ferne und der blaue Himmel über ihm. Und dann die hin¬ziehenden Wolken und der unendliche Glanz der Sonne vom hohen blauen Himmel. Er rollte einen Feldweg hinab befangen von dem Duft um ihn herum und dem Gesang der Vögel in den hohen schattigen Bäumen. Wer mag das alles so herrlich geschaffen haben? Was für ein herrliches Wunder!

Obwohl er das alles schon längst aus den Erzählungen kannte, überwältigte ihn der Glanz so sehr, daß ihm Freudentränen kamen. Eines wusste er jetzt: Niemals würde seine Seele - sofern er eine hatte - genug von diesen Bilder bekommen. Endlich riss er sich los und rollte weiter.