D E R    B R I E F

 

Querdenker „Ernedusch“ schreibt seinem Freund.

 

Mein Lieber,

 

    In letzter Zeit überschlugen sich die Ereignisse in einer Weise, die mir einfach nicht die Zeit ließen, mich Dir mitzuteilen; entschuldige. Aber heute werde ich es nachholen; 

 Also mein Lieber, vernimm nun   die Überraschung:

  Das Forschungsinstitut, für den inneren Frieden ihatte mich eingeladen den Vorsitz im Unterausschuss zur Erfoschung "krimineller Energie" zu übernehmen. Im  engeren Sinne handele es sich um eine sogenannt  herschende Unlogigik, der man den Kampf,  angesagt habe. - Man kann aber auch sagen,  es handele sich um Elemente der Arglist und Böswilligkeit, die an Dreistigkeit zunimmt, weil doch die "Unlogik" viele Namen  hat.

Ich werde künftig offiziell und unbeschwert mich den Problemen widmen, die mich seit eh und geh beschäftigen.

 Die kriminelle Energie ist eine Geisel der Menschheit schlechthin. Sie hat den Vorzug, ihre Existenz aus der Geschichte ableiten zu können, sie hat ihre eigene Struktur seit Jahrtausenden und wir tun so, als sei ihr Dasein das Selbstverständlichste von der Welt.

Mir aber ist, es lebe die Menschheit mit einem Monster zusammen, das gar den Vorzug der Erstgeburt genießt. Warum dulden wir es, warum sehen wir ihm tatenlos zu, sehen  wir wie   eine Bestie uns zugrunde richtet?

Das Institut ist durch meine vormals veröffentlichte KostenNutzen-Analyse hinsichtlich dieses  platzgreifenden Übels auf mich aufmerksam geworden, die ich zum Nachweis erstellte, dass allein die Kriminalität im Gegensatz zum Wohlverhalten das wohl unrentabelste Geschäft ist, das die Menschheit sich derzeit leiste, wohl teurer noch als Rüstung und Kriegstreiberei.

Ich erinnere ich Dich an unsere oft heftig geführten Streitgespräche über das unerschöpfliche Thema, wobei wir uns die Kosten für den gewaltigen Justizapparat um die Ohren schlugen.

Diese Unsumme,  die  allein der Vollzug verschlingt stehen in keinem Verhältnis  zu seinem Nutzen.Wie Immens kostenträchtig ist schon allein der Beamtenapparat  in Ministerien, Justizpalästen, in Kanzleien, um nicht zu vergessen, hinter  den  Gefängnismauern; er schlingt und schling. Schlingt Vor- und Nachsorge, schlingt Ausbildung des Justitaren Nachwuchses, ja die notwendige Fortbildung für die dringend benögte  Polizei und deren Ausbildung und steigende  Personalkosten, Kosten an  Wartung, Pflege, Gerichtskosten  und   nie und nimmer gut zu machende Schäden an Opfer; all das verursacht durch Verbrechen, die nie ein  Ende nehmen,  die  ohne Unterlass entstehen,  Schäden  an Leib und Seele,  an Gesundheit und Leben, an Sachen. Ein  gefräßiger Moloch hat sich breit gemacht, der abermals schlingt, und wir, wir stehen da und sehen uns das an; wir sind machtlos! 

Das sind Aufwendungen die  wir zähneknirschend für Zecken, für nichtswüdiges Gesocks aufbringen, wir  schütten  Wasser in den Rhein.  Man könnte, um es mal  ironisch  vorzutragen, die ganze Verbrecherwelt  auf eine Insel ausbürgern... und  unser Leben ohne Ärger in Frieden leben. 

 Jedoch schon allein diese meine  zwar  noch nicht   wissenschaftlich näher  belegte  Folgerung löste, wie Du weißt, schon jetzt  eine Diskussion aus, die ihresgleichen sucht; in einschlägigen Kreisen verstummt sie nicht! Experten , sowie namhafte Persönlichkeiten  aus allen Diisziplinen der Wissenschaft scheuen zurück,  meine  Hypothese   zu diskutieren. Wie könnten sie auch dagegen vorgehen  wollen? Moral, ihr beizubringen? ... Sie kann ihr längst nichts  anhaben! Kriminalität kann nur vernichtet werden, wenn ihr  die Energie restlos entzogen wird. Somit ist  nur logisch wie schlüssig, zu überlegen: wird einer Bewgung fortlaufend Energie entzogen, so läßt sie in ihrer Leistung nach, erlahmt, verkümmert, und führt zum Exitus, da geht  dann nichts  mehr!

Die allgemein Hilfslosigkeit gegen Gewalt und Unzucht wird  ein  Ende nehmen: ein Ende haben gegen     Vandalismen, gegen Rauditum, gegen Hehlerei, gegen Diebe, Räuber, Mörder, Betrüger, Wucherer, Gauner, Schwindler, Kidnapper, Waffenschieber, bis hin zum Kriegsverbrechen und der Dealernei !  Die Losung kann nur sein: "Rettet die Logik, rettet den Frieden! Vernichtet die kriminelle Energie!"

Es scheint, die Tage  seien gezählt, die der kostenträchtige Justizapparat sich noch am Leben halten könne. Ist er nicht Zug um Zug gemeinsam mit dem Entzug der Energie an die Verbrecherwelt, zum Sterben verurteilt?

Mein lieber Freund, mein Rat ist gefragt!  Keiner weiß   besser als Du, wie diese schwierige Frage  einer Lösung wartet. Zwar habe ich Ideen und Vorschläge eingebracht - ich nenne das mal  Absichten,  Vorsehen und Gegenlogik“ - wer kennt sich da schon  gut genug, als dass  ihm nicht Zweifel  kämen,- Zweifel daran, ob dieses oder jenes auch so richtig sei, wie man Neues, wie man Fragliches vorhat, plant. Immer noch findet sich Skepsis immer noch Argwohn auch in meinem Blute. Welche Entartung ist nun gottgegeben  hinzunehmen? Wie oft ertappe ich mich dabei, im inneren Drange nachzugeben, und mit gleicher Münze heimzahlen zu wollen. Wie du mir, so ich dir. Schlägst du meinen Gockel, schlag ich deinen Gockel. Aug' um Aug', Zahn um Zahn! 

Des besseren Verständnisses wegen führe ich diese meine zweite Hypothese noch einmal  kurz an: Danach könne die kriminelle Energie ebenso Erblast wie ein lammfrommes Wohlverhalten sein. Beide Extreme sind sozusagen   programmiert, sie sind Produkt.  Ich habe dabei zum Beweis  auf die Erbinformationen  verwiesen, auf unverwechselbare Codezeichen, die ja in jedem Molekül zum Leidwesen der Genforscher, das nicht Austauschbare wie das  Unverwechselbare dokumentiert sein. Sie bilden die Kette der bestimmenden und steuernden Proteine und Aminosäuren. Diese wiederum ordnen unsere Anlagen an und lassen nicht zu, daß ererbtes nicht aus der Art gerate.

  Chromosomen, Zellkerne sind  Träger der Erbinformation,  deren zahlreiche Substanzen komplizierte chemische Bausteine, Stoffwechselvorgänge steuern und somit das Erscheinungsbild des Lebewesens bestimmen. Daraus habe ich den Schluss meiner kühnen Behauptung gezogen: Es wird das Streben allen Lebens immer nur nach Höherem durch die Erbträger gesteuert. Die Natur ist  programmiert, wie und womit das Leben befrachtet  ist: Das Raubtier bleibt ein Raubtier und ein Schaf ein Schaf. Die Spielräume sind begrenzt. Der Mensch ist da von der Anlage her eine   Ausnahme. Er gilt als höheres Lebewesen, der ihn vorgegebene Spielraum ist  nicht begrenzt, im Gegenteil, er ist ihm riesengroß belassen, ja unermesslich. Ich denke da an die Macht der Phantasie, an die Fähigkeit einer empfindsamen Seele, das seinem Individuum die herrlichsten Lüste bescheren kann. Zwei Seelen wohnen in meiner Brust, die weiße und die schwarze, der einen verlangt es nach Harmonie, der anderen mehr nach Lust. Wobei aus der sich hemmungslos verbreitenden Lust in all den Generationen der Menschheit ein so unermesslicher Schaden zugewachsen ist. Schaden, der einer Lawine gleich mit  Getöse aus der schwarzen Höhe seine zerschmetternde Wucht uns sich ankündigt.

Längst ist Dir, lieber Mit-Querulant aus allen diesen hintersinnigen Begründungen klar geworden, dass ich letztendlich dem Rufe folgen musste, denn zu groß ist mittlerweile meine Erwartung der Gesellschaft auf diesem Felde einmal dienstbar zu sein.

An einem nebeligen Novembermorgen begab ich mich auf die Reise nach H. In dem weitläufigen Institutsgebäude begrüßte mich der Institutsleiter, Herr Prof. Deduz. Unsere Arbeit in großen Zügen erläuternd begaben wir in die für unsere Arbeit vorgesehene Räumlichkeiten. Wenig später trafen dann auch zwei Herren ein, die ebenfalls dem Ruf gefolgt waren.

Beiden war bereits bekannt, dass ich den Vorsitz führen solle; und so umriss ich eingangs in wenigen Sätzen unsere Aufgabe, wie sie mir der Institutsleiter bereits kurz erläutert hatte. Höheren Orts habe es Überlegungen gegeben, das Institut  möge wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeiten sammenzutragen, Beschränktheiten aufdecken, herausfiltern, undgemeine Intensitäten analisieren, insbesondere Ruchlosigkeiten und Gemeinheiten aufdecken, sie markiert und, ja, im weiteren Sinne, der Regierung möglichst diskussionsfähiges Material an die Hand geben. Wichtig  seien Empfehlungen, wie genau man dieser Geisel begegnen könne. Zu Ende gedacht, schweben ihr vor, die Entwicklung zu stoppen und darüber hinaus bei günstigen Ergebnissen das ganze Bemühen positiv zum glücklichen Ende zu bringen.

 Es sei  ihr dran gelegen geeignete Techniken zu entwickeln, mit denen diese Angelegenheit schnell und umfassend erledigt werden könne.

Den Regierungen sei aufgefallen, wie sich gegenwärtig in manchen Gegenden der Erde, kriminell befrachtete Energieströme geradezu zu einer ungeheuren Gewalt aufstauen. Es sei entsetzlich, wie ausgerechnet  wirtschaftlich benachteiligte Regionen darunter zu leiden haben. Rigoros fortschreitende Ausbeutungen bewirken umfassende Klimaveränderungen, die hinwiederum eine Verwüstung und Versteppung weiter Landstriche nach sich ziehen. Einst fruchtbare Gebiete sind nun der Nährboden für Not und Elend,  sind somit der Kriminalität auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Der Raub ist mancherorts die einzige Einnahmequelle der  Bewohner. Der jahrtausende alte Gleichklang zwischen Mensch und Natur ist hin. Mit krimineller Energie befrachte Erdenbürger haben ihn grundlegend zerstört. Er zweifle wie ich daran, daß man anderweitiger Hypothese zufolge, den angerichteten Schaden mit einer Manipulation an den Erbfaktoren zu Leibe rücken könne. Man könne an den Genen herumbasteln soviel man wolle, die kriminelle Energie ist damit nicht in den Griff zu bekommen. Da müssen andere Kunstgriffe her. Denn auch wir, die wir hier diskutieren und uns um eine bessere Welt bemühen, stammen der Vererbungslehre nach  von  Urvätern ab.

Prof. Renand Pfründer hat seinen Lehrstuhl an der Universität in H.- Durch seine Forschung an  unerklärliche Verwüstungen und Versteppungen ganzer Landstriche erworben,  er erlangte  mit seiner Arbeit   über Grenzen  Bedeutung.

Prof. Renand-Pfründers Vorschlag ging dahin, das Problem der Klimaveränderung zu untersuchen. Dabei werde sich Dimensionen Verkehrtheiten aufdecken und Auswüchse nachweisen lassen, die zum Himmel schreien. Gerade hier sei es am ehesten möglich,  wirkenden Ruchlosigkeiten entgegen- zuwirken. Es gelte, einem totalen Chaos, einem  tobenden Element entgegenzuwirken, das ja die Würde allen Lebens höhnend missachte. Hier tobe das kriminelle Element wie der Wahnsinn in der Hölle.

Die Justiz versage. Unverständlicher Bürokratismus  erweise sich als Hemmschuh, achtbare  Disziplin bremse den Willen zur Selbstfindung, zur Selbstreinigung, zur Wahrung der Moral, höhne der Disziplin, befördere den Unsinn juristischen Gezänks, Hohn obsiege über jedwede Würde

Dr. Halz ist Geschichtswissenschaftler und Dozent an der Hochschule in S. Ein jugendlicher Typ, wirkt mit analytischem Elan, entwickelt Scharfsinn: folgert aus dem Stegreif, These und Antithese beinhalten Richtiges wie Falsches. Kriminelle Energie könne Zwangslagen erliegen, sei deren gewichtiger Ursprung, der sich im  Umfeld fände, wie auch  im Nährboden der Erbfolge. Ist man bereit, diese Betrachtungsweise gelten zu lassen, so wäre ein Erbteil allenthalben negativer Art  der Gesellschaft überliefert in ihr fortzuleben… Überlieferungen sind aber auch eine vorzügliche Substanz der Phantasie, die ja als Vorstufe allen Handelns mit zu beachten sei.

Damit hat Dr. Halz zweifellos gemeint, dass die Theorie der Erblast, in unsrer Zeit mehr gewichtet werden müsse; die Moral der Zeit kranke zu sehr am Verlust althergebrachter Werte. Verwerfliche Verhaltensweisen  orientieren sich an Gegebenes, im allgemeinen am Niedergang althergebrachter Ordnung…Erblasten sind nur noch vordergründig zu diskutieren, Codezeichen in den Molekülen über Jahrhunderte, ja Jahrtausende  bleiben unverändert, werden weitergereicht.

Meine Herren, ich bleibe dabei, beweisen Sie mir Gegenteiliges … kriminalisierte Formen treten plötzlich auf! Gelegenheit macht Diebe. Wo die Not das Zepter schwingt, stirbt jeder Gedanke an Rechtschaffenheit und Wohlverhalten kehrt sich unvermutet ins Gegenteil. Die Antwort drauf zu finden, wird schwierig. Zumal Erbträger hin oder her sich vermehren. Angenommen, Ihre Behauptung wäre stimmig, verehrter Herr E.“, fuhr Dr. Halz in seinem Vortrag fort, "so würde sich ohne Zweifel durch  ständige Vermehrung erblastigen Lebens vornehmlich kriminelle Energie intensivieren und damit schon längst den Globus überflutet haben! Menschenwürdiges Leben wäre dann auf diesem Planeten überhaupt nicht mehr möglich, sie würde  ihn  verwüsten, alles Leben der Ohnmacht, dem Chaos ausliefern.

Sie Herr Prof. Renand-Pfründer hingegen" fuhr er fort, "Sie schalten die Vernunft aus und  tun, als gäbe es die humane Gesinnung nicht, die sich an Verantwortung und Pflicht orientiert. Noch gibt es den Sternenhimmel über mir wie auch das Gewissen in mir. Daraus erwachsen doch ethische Werte, die zum Einsatz gebracht werden müssen, will man Schöpfungswerte nicht den Bach runter gehen lassen? Ich behaupte dennoch, wir sind keine programmierten Roboter, sind nicht ohne Herz und Gefühl. Wir sollten uns nicht ohne Widerstand von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen lösen, und nicht einer verkehrten Logik anheim geben, sonder sie mit unserm moralischen Wertgefühl zu Leibe rücken."

Renand-Pfründer klatschte Beifall und rief dazwischen: "Herr Kollege, gestatten sie mir den Einwand bitte, Sie vergessen  die Interessenslagen. Gefühlsergüsse bringen den Karren nicht aus dem Dreck. Es ist bereits später als fünf vor Zwölf!"

"Natürlich, Sie haben Recht Herr Kollege, ich bin auch für Interessen, aber sie müssen gesteuert werden. Das ist es doch. Nur, wie wollen wir's denn anpacken?“ -

Hier war es an der Zeit, einzugreifen. Ich rief beschwichtigend: "Meine Herren, ich bitte sie! Ich gestehe ihnen zu, ihre Spontaneität hat mich überzeugt. Wahrlich, einen solch spontanen Einstieg hatte ich nicht erwartet. Verzeihen sie,  ich war skeptisch. Ich habe eher mit einer gewissen Gelehrten-Langweile gerechnet, wenn sie wissen, was ich meine. Man erlebt es ja alle Tage. Viele Worte, keine Taten. Hier aber, zu unserm Kreis glaube ich sagen zu können, wir haben es gut getroffen. Wir werden in der gefundenen Form unsere Aufgabe weiter angehen und die unheilvolle Unlogik in allen ihren Winkeln aufspüren, sie stellen und zur Strecke bringen. Aber wir werden auch die Kraft der Moral wie die Wirkung des chaotischen Durcheinanders auf den Prüfstand nehmen. Wir sind einfach zum Erfolg verurteilt!"

Nach einigen Tagen unermüdlicher Kleinarbeit und ebenso heftiger wie begeisternder Diskussion, kamen wir zu folgendem Beschluss:

Gegenwärtig befinde sich die Menschheit in einer niederschmetternden Ausweglosigkeit…wir ahnten, unsere Meinungsverschiedenheiten landeten in eine seltsame Hoffnung:Es öffnete sich die Frage: Können wir uns noch einer Telepathie entziehen? Wir fanden beispielhafte Parallelen vorgegeben in denen in jüngerer Zeit geschaffenen Figuren die sich in der Literatur durchgesetzt haben wie zum Beispiel in der aufrechtgehenden Maus oder der bekleideten Ente und andere, die ein ganz respektables Dasein ohne Materie, ohne Moleküle, Chromosomen, Gene, Eiweiße, Aminosäuren und sonstigen Werten recht munter in den Tag hineinleben. Wir beschlossen, uns ein ähnliches Lebewesen unter Anleitung eines Experten für Telepathie zu beschaffen. Mit dem wir ganz speziell uns des grausamen Wortes „Unlogik“ zu erwehren gedachten.

Wir hatten Glück. Wir fanden nicht nur den geeigneten Kenner und Praktiker, der sich mit der etwas zweifelhaften, mehr an Zauberei erinnernden Form der Kommunikation auskannte, sondern sogar den richtigen Mann, der uns eine günstige Verbindung zu außerirdischen Kräften vermitteln konnte.

Es gebe da ganz in der Nähe einen Trabanten mit gleichen atmosphärischen Bedingungen wie auf unserer Mutter Erde. Den telepathischen Informationen zufolge, habe es dort noch keine kriegerischen Auseinandersetzungen gegeben, alle Lebensvorgänge seien dort bislang in all ihrem Tun und Lassen von der Vernunft geleitet. Das Leben dort sei paradiesisch.

Lieber Freund, Du kannst Dir unser Freude nur noch als ausgelassen vorstellen. Wir waren am Ziel! Das war's, was wir gesucht und endlich gefunden hatten! Wir waren die glücklichsten Forscher, die je auf dieser unserer Erde gelebt haben. Aber wie es auf Erden halt stets zugeht, die Euphorie war verfrüht. 

Ausgehend von der Idee, mit Hilfe der Außerirdischen per Telepathie hier auf Erden ein  Lebewesen mit ähnlichen Anlagen zu zeugen, richteten wir die Frage dorthin, wie das zu bewerkstelligen sei, welches Material dafür sich eigene und dergleichen mehr, eben halt was Wissenschaftlern so alles in spontaner Reaktion zu solchen Themen einfällt. Du kannst dir denken, mit welcher Spannung wir die Antwort erwarteten!

Als sie dann endlich kam, glaubten wir ins Nichts zu stürzen, glaubten einem bösen Streich aufgesessen zu sein, es war das reinste Wechselbad. Die Antwort lautete: "Mit großer Sorge haben wir seit Generationen den globalen Verfall auf ihrem Planeten beobachtet und uns gewundert, daß die Kraft der vorhandenen Intelligenz nicht in der Lage ist, ihn endlich aufzuhalten. Auch ist die Liebe nicht, die allenthalben auf ihrem so herrlichen Erdenrund so wundervoll, so beglückend und erheiternd zu spüren ist, nicht in der Lage dem sich ausbreitenden Chaos entgegenzuwirken. Ebenso wenig sind auch die schönen Künste mit all ihrer wundervollen Herrlichkeit Zum Beispiel der Vielzahl der harmonischen Klänge nicht in der Lage, ihre verfahrene Situation noch zu ändern. In einem halben Jahrtausend wird der blaue Planet hoffnungslos übervölkert und vom Krebsgeschwür des Bösen rundum überzogen sein. Es besteht praktisch nur noch die Möglichkeit, sich des Mittels der gezielten Energievernichtung zu bedienen, ihn selbst und somit das Leben auf ihm noch zu retten. Wir fassen die Kontaktaufnahme als Hilferuf auf und werden der Dringlichkeit wegen umgehend handeln. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß wir die Produktion eines Wesens übernehmen, das befähigt ist, Ihr Problem zu lösen. Als Produktionsstätte erwählen wir eine Käserei, die unsern Berechnungen nach zur Erzeugung des von uns für erforderlich erachteten Wesens am besten geeignet ist. Die Geburt wird von uns eingeleitet. Aus Gründen der bei Ihnen vorherrschenden Informationsgier, die alle guten Ansätze bereits im Keim zu ersticken in der Lage ist, halten wir weitere Einzelheiten geheim. Gravierende Ereignisse nehmen nun ihren Lauf! Zu Ihrer persönlichen Genugtuung, Urheber der neuen Entwicklung zu sein, sei noch folgendes gesagt: Das Wesen trägt den Namen Randalla. Randalla ist naiv. Randalla wird eine Reise zu ihrem Trabten antreten. Wir werden ihn mit den erforderlichen Hilfsmitteln ausstatten und mit einer kompetenten Begleitung auf ihren Planeten Erde zurückschicken. Er wird mit entsprechenden Anweisungen und Verhaltensregeln programmiert sein, so daß mit seiner Hilfe die von Ihnen richtig vorgeschlagene Entseuchung von Unlogik und krimineller Energie unverzüglich begonnen werden kann."

Meine lieber Freund, wir waren wie vor den Kopf geschlagen. Es wird nun in irgendeiner Käserei, wer weiß wo in Weiten des Universums, ein Wesen namens Randella entstehen! Wir haben von seinem Aussehen und seinen exquisiten Qualitäten keine Ahnung! Wer sind die Kräfte, die uns foppen? Plötzlich wird uns klar: zu wenig wissen wir über die Kraft der Telepathie …immer noch ist sie geheimnisumwittert, monströs und mit unseres Geistes Kraft nicht zu ergründen. Wird nun der Heilige Geist über uns kommen oder haben wir ein Monstrum zu erwarten! Das alles ist kurios, ist zum Heulen. Fällt nun alles, was wir Wissenschaftler mit größter Sorgfalteit seit Generationen anstrebten, wie warmer Regen auf uns niederfallen oder sollen wir einer vernichtenden Lächerlichkeit preisgegeben werden? Noch zweifeln wir an die Wahrhaftigkeit dessen, was geschehen soll.

Lieber Freund, wir hatten da nichts mehr zu entscheiden. Uns ist nur die Skepsis geblieben, weil es sich hier sozusagen nur um ein Wunder handeln kann, einem Wunder, das sich in ähnlicher Weise schon einmal vor zweitausend Jahren zugetragen hat. Es steht uns nicht zu, Erfolg oder Misserfolg zu werten. Wenn aber diese Lehre richtig ist, daß es eigentlich nur der brüderlichen Liebe bedarf, die Welt von der „Unlogik“ zu befreien, so meinen wir, wir sollen uns dem seltsamen  Angebot aus der Welt des nahen Trabanten vertrauensvoll zuwenden, denn es scheint sich hier um einen weiteren Schub in die richtige Richtung zu handeln. Zwar entrüsteten sich die Herren und bekamen in der Hitze rote Köpfe, aber das ging nicht soweit, als dass man empört und blindlings die Verbindung abreißen lassen wollte. Nein, es war da noch etwas von einer gewissen Hoffnung, und wer wollte da auch mit absoluter Sicherheit das Angebot als Humbug oder groben Unfug verwerfen? Das hätte zumindest stichhaltiger Argumente bedurft. Wir waren einfach ratlos. Aber da bewies die telepathische Verbindung augenblicklich ihre hervorragende Qualität. Prompt wurden unsere gefühlsmäßigen Bedenken behutsam beschwichtigt. Es wurde uns folgender Wortlaut übermittelt: "Ihr Misstrauen ist gesund und ehrt Sie, aber dennoch, seien Sie unbesorgt, Sie sind so oder so   zum Erfolg verurteilt. Machen Sie guten Mutes mit, es wird sehr amüsant,  Sie werden mit uns gewinnen. Eine andere Wahl hat die Spezis Mensch ohnehin nicht mehr."

Mein lieber Freund, wie niederschmetternd … Unser Aufwand   ein Flop! Uns ist es gelungen  mit unserer sauberen Logik irgendwem ins offne Messer zu laufen! Soll es denn wirklich mit uns so weiter gehen, dass wir immer  weiter  wie über die Jahrtausende leben, die uns so wunderbar geholfen haben, uns selbst zu betrügen oder   uns entschließen ein  neues Zeitalter anzugehen, dem,  gleich wie lange vertrauensselig  entgegenleben?

 

Es grüßt Dich herzlich Dein Freund Ernedusch.